Silkes Bunny-Village
Kaninchen mit Behinderungen

 

Behinderungen finden leider oft im Kopf der Menschen statt, sie sind die unvollkommensten Wesen dieser Welt, aber die einzigen, die nach ständiger Perfektion streben. Auch Tiere mit körperlichen Einschränkungen können ein schönes, artgerechtes Leben führen, mit unserer Hilfe.

 

© Claudia Wacker

 

Meine Freundin Gabi Bergs hat sehr treffende Worte gefunden, um mitfühlenden Menschen und Menschen voller Vorurteile das Leben behinderter Kaninchen näher zu bringen.

Auf der Bunny-Ranch und im Bunny-Village leben oder lebten viele Kaninchen mit Behinderungen.

Auch behinderte Tiere haben ein Recht auf Leben !!

 


Bunny-Ranch und Bunny-Village geben immer wieder Handicap-Kaninchen ein Zuhause.
Davon sind viele Kaninchen in der Vergangenheit und auch jetzt z.B. an  Encephalitozoon cuniculi erkrankt.

Einige von ihnen halten den Kopf manchmal mehr als 90 Grad schief. Uns wurde in der Vergangenheit oft gesagt, wir seien bescheuert, solche kranken Tiere aufzunehmen, es wäre doch viel einfacher ihnen die Spritze geben zu lassen, wir hätten dann weniger Arbeit,  und die Tiere müssten nicht leiden. Auch ist es anscheinend in den Augen vieler Menschen falsche Tierliebe, ja sogar Tierquälerei, Kaninchen mit Behinderungen am Leben zu lassen.

Immer wieder fragen wir uns, woher diese Menschen ihr Wissen nehmen. Es fasziniert und erschreckt uns, wie schnell solche Vorurteile und Barrieren entstehen, und dass die Menschen sich nicht einmal die Mühe machen (wollen), diese Tiere (und den Menschen, der dahinter steht) kennenzulernen um dadurch zu lernen, Barrieren abzubauen.

Unsere kleinen Schiefköpfe, wie wir sie liebevoll nennen, haben alle ein glückliches und zufriedenes Leben, soweit es ihre Behinderung zulässt. Sie können nicht geradeaus hoppeln, wie auch, wenn der Kopf schief ist, da geht es nur in Kreisform.

Wenn sie zu schnell irgendwohin hoppeln wollen, kann es passieren, dass sie umkippen und kurz anfangen zu rollen, bis sie ihr Gleichgewicht wieder finden.

Wir erleben es immer wieder und sind fasziniert, wie diese Tiere ihre Behinderung annehmen und mit ihr völlig unkompliziert leben.

Babybär und Milou  von der Bunny-Ranch z.B. kennen es nicht anders, beide waren noch sehr klein, als diese Krankheit erstmalig aufgetreten ist. Ihre Partnerinnen, die an E.C. erkrankt sind, aber unter anderen Auswirkungen leiden, leben mit ihnen viel intensiver, und sie haben nach Gabis Beobachtungen einen liebevolleren Umgang miteinander.

Das eigentliche Problem bei Behinderungen, und dazu zählt auch der Umgang mit einem behinderten Menschen, ist nicht seine Behinderung, sondern dass er in den meisten Fällen von der Umwelt behindert wird.

Eine Behinderung ist leider immer noch ein Tabuthema, und manch ein Mensch mag, vor lauter vorgeschobenem Mitleid, nicht damit konfrontiert werden.
Die Gesellschaft möchte Perfektion, und alles, was da nicht ‚rund’ ist, ist eben nicht ‚normal’.


"Das ist so furchtbar, der tut mir so leid, das kann ich gar nicht mit ansehen", wird gesagt, ohne dass Menschen sich die Mühe machen, das betroffene Tier kennenzulernen und zu erleben.

 

Wer sich die Mühe macht, genauer hinzuschauen, wer MIT behinderten Kaninchen und FÜR sie lebt, der merkt sehr wohl, wie sehr diese Schätze am Leben hängen und das Leben genießen.

Gabi und ich freuen uns, dass es mittlerweile viele engagierte Menschen gibt, die sich sehr gut um behinderte Kaninchen kümmern.

© Gabi Bergs

Für das Bunny-Village verändert: Silke Rank

 

Purzel, Sommer 2010

 

Buchempfehlung zum Thema:

Mit Genehmigung des Verlags zitiere ich aus folgendem Buch:

Lucile C. Moore, Kathy Smith (2008, Santa Monica Press)
When Your Rabbit Needs Special Care,
Traditional and Alternative Healing Methods

 

Chapter 6
Coping with paresis and paralysis in your rabbit
 

"... The prognosis will vary, depending on what is causing the paresis/paralysis and to what extent it has developed.
Whether the condition is permanent or temporary, rabbits with paresis or paralysis will require a great deal of care.
They will need extra grooming; possibly require expression of the bladder; need to be fed cecotrophs; given medications; and be constantly monitored for gastrointestinal trouble, pressure sores, flystrike, and urine burn. Yet despite all these issues, paralyzed rabbits can still have good-quality lives.
Stephen F. Guida, a volunteer for Brambley Hedge Rabbit Rescue, comments:
 
Inside every special-needs rabbit is a normal
rabbit constantly trying to be like every other
rabbit. They are not burdened by self-pity or
the possibilities of what might have been. They
do not consume endless hours of wondering
"Why did this happen to me?" Their complete
and total acceptance of their condition paves
the way for them to have as high a quality of
life that they can, given their situation.

 
However, not everyone will share this view. One issue that may arise when caring for a paralyzed rabbit is the reaction of others, including veterinarians. There are those who feel the "humane" thing to do is to euthanize a paralyzed rabbit, no matter how healthy the rabbit is otherwise. (It has occured that persons who have cared for severely disabled animals have been turned in for animal cruelty). ...
  

Übersetzung:

Die Prognose ist unterschiedlich, je nach Ursache und Voranschreiten der Muskelschwäche/Lähmung.
Unabhängig davon, ob der Zustand dauerhaft oder vorübergehend ist, benötigen Kaninchen mit Muskelschwäche/Lähmung sehr viel Fürsorge. Sie benötigen zusätzliche Pflege, möglicherweise muss ihre Blase ausgedrückt werden, sie müssen evtl. mit Blinddarmkot gefüttert werden, brauchen Medikamente und müssen permanent überwacht werden wegen der Gefahr von Magen-Darmproblemen, Druckstellen, Fliegenbefall und Urinbrand. Trotz all dieser Probleme können gelähmte Kaninchen dennoch ein lebenswertes Leben haben. Stephen F. Guida, ein Freiwilliger des Brambley Hedge Rabbit Rescue, äußert seine Meinung:

In jedem Kaninchen mit besonderen Bedürfnissen steckt ein normales
Kaninchen, das permanent versucht, wie jedes andere Kaninchen zu sein.
Kaninchen belasten sich nicht mit Selbstmitleid oder den Möglichkeiten,
die es gegeben hätte. Sie verbringen nicht unendliche Stunden
mit dem Nachdenken darüber "Warum ist gerade mir dieses passiert?"
Ihr vollständiges Akzeptieren ihres Zustands ebnet ihnen den Weg
zu einer ihrer Situation entsprechenden größtmöglichen Lebensqualität.

Jedoch teilt nicht jeder diese Meinung. Ein Problem, das entsteht, wenn man sich um gelähmte Kaninchen kümmert, ist die Reaktion der anderen, auch von Tierärzten. Es gibt diejenigen, die das "menschliche" Bedürfnis empfinden, ein gelähmtes Kaninchen zu euthanasieren, unabhängig davon, wie gesund das Kaninchen ansonsten ist. (Es ist sogar vorgekommen, dass Menschen, die sich um schwer behinderte Kaninchen kümmerten, wegen Tierquälerei angezeigt wurden.)

Silke Rank

 

Luise, Timmi und Greta, drei Kaninchen mit Encephalitozoon cuniculi, am 30. Dezember 2009 in ihrem Gehege:

 

Filmempfehlung zum Thema: 

Assisted Living For Special-Needs Bunnies

Kaninchen mit besonderen Bedürfnissen..... bei uns in Deutschland werden sie meist "Kaninchen mit Behinderungen" genannt.
Special-needs bunnies erscheint mir passender, lebensbejahender. Das Problem liegt nicht beim Kaninchen, vielmehr muss der Mensch, der für dieses besondere Tier die Verantwortung übernommen hat, sich auf dessen Bedürfnisse einstellen.

Allen Interessierten möchte ich eine DVD vorstellen, die sich Kaninchen mit besonderen Bedürfnissen widmet, denn jedes Kaninchen kann plötzlich zum Pflegefall werden, sei es durch Unfall, Encephalitozoon cuniculi oder Wirbelsäulenerkrankungen.

Nach der tierärztlichen Untersuchung und der medikamentösen Behandlung wird unter Umständen die Prognose auf eine lebenslange körperliche Einschränkung gestellt. Tierarzt und Halter diskutieren die Lebensqualität des Patienten und treffen eine Entscheidung, sei es für die Euthanasie, sei es für die Langzeit-Intensivpflege.

Bevor man sich für die Euthanasie entscheidet, sollte man sich die Frage stellen, ob das Kaninchen wirklich leidet, oder ob es sich vielmehr um Leid in den Augen des betrachtenden Menschen handelt.

Bei diesen Gedanken setzt der Film an. Er zeigt auf, woran die Lebensqualität eines behinderten Kaninchens zu erkennen ist und gibt vielfältige anschauliche und praktische Tipps für die Gestaltung des Lebensraums und die tägliche Pflege des special-needs bunny.

Ein behindertes Kaninchen, das gerne isst, das interessiert und neugierig auf äußere Einflüsse reagiert und den Kontakt zu Artgenossen genießt, hat bei intensiver Pflege und Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse durchaus eine hohe Lebensqualität.

Die DVD veranschaulicht geeignete Käfige und Gehege, Einrichtungsgegenstände, gibt Tipps zur Ernährung, Körperpflege, unterstreicht die Bedeutung menschlicher Zuwendung und vor allem die Gesellschaft von Artgenossen als wichtigste Therapie.

Vielleicht wird vom Betrachter einiges kritisch gesehen, vielleicht kann der Film dem ein oder anderen helfen, menschliche Empfindungen, z.B. Selbstmitleid, nicht auf das Kaninchen zu projizieren, Vorurteile abzubauen, Ängste zu überwinden und für das besondere Kaninchen zu kämpfen.

Auf jeden Fall wird die unendlich große Liebe zu den hilflosen Geschöpfen deutlich, ihr Leben erfährt eine einzigartige Wertschätzung.

Silke Rank

 

Funken, November 2010

 

Funken und Rico, Februar 2011